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Bamberger Rangschiffer fuhren mit der Strömung flussabwärts und treidelten flussaufwärts mit Pferden zurück. Im 20. Jh. beschleunigte eine von Aschaffenburg bis Bamberg im Fluss verlegte Kette das Fahren gegen die Strömung. Die dampfgetriebenen Schleppschiffe nannte man aufgrund ihres charakteristischen Tons in Oberfranken „Maa-“ und in Unterfranken „Mee-“ oder „Määkuh“.
Mit den Flusskorrektionen des 19. Jhs. für die Flößerei und dem Ausbau zur Bundeswasserstraße im 20. Jh. hat der Main seinen natürlichen Charakter als dynamischer Kiesfluss verloren. Mit massiven negativen Folgen für Mensch und Natur. Am Obermain begann die bayerische Wasserwirtschaft daher ab Ende der 1990er Jahre dem Fluss wieder mehr Raum zu geben. Ufer wurden entsteint, Boden abgebaggert und Baumstämme als Strömungslenker eingebracht. In diesen Bereichen kann der Main wieder Kiesinseln und Steilufer ausbilden. Der Fluss und seine Aue gehen ineinander über. Eindrücklich zu erleben ist dies bei- spielswiese bei Unterbrunn (Ebensfeld, Bad Staffelstein), wo zusammen mit dem Kiesabbau eine ehemalige Flussschleife reaktiviert wurde.
Seit einigen Jahren werden auch entlang der Bundeswasserstraße ökologische Maßnahmen umgesetzt. Wenn Graureiher im Frühjahr bei Dippach über dem Maintal kreisen oder der Eisvogel pfeilschnell übers Wasser fliegt bekommt man eine Ahnung von der Flussnatur. Zwar ist der Biber wieder an den Main zurückgekehrt, doch die 34 Staustufen
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und die versteinten Ufer haben im letzten Jahrhundert den Großteil des dynamischen Flusslebensraums zerstört. 100 Jahre nach dem Bau der ersten Staustufen ist die biologische Durchgängigkeit noch nicht wie- der hergestellt. Der Lachs ist in den 1950er Jahren im Main ausgestor- ben. Verkehrswege zerschneiden lärmend die Flussaue und die Bebau- ung nimmt immer mehr Fläche ein. Wir haben uns daran gewöhnt, dass dieser Zustand unvermeidlich und unveränderbar ist. Es ist uns kaum bewusst, was wir verloren haben.
Das Flussparadies Franken hat die Vision eines Mains, der sich mit seinen Zuflüssen als grünes Band durch die Landschaft zieht. Es muss gelin- gen, die biologische Durchgängigkeit wieder herzustellen und wo immer möglich neue Flusslebensräume zu schaffen. Dann kann der Main seine Aufgabe als wichtiger Teil des europäischen NATURA 2000 Netzes er- füllen und auch für den Mensch wieder Lebens- und Erholungsraum sein.
In diesem Sinne bedanke ich mich bei den Künstlerinnen und Künst- lern und allen, die an der Vorbereitung und Umsetzung der Ausstellung beteiligt sind, für Ihre Arbeit. Ich wünsche den Besucherinnen und Be- suchern einen anregenden Austausch und dass die Werke den Blick für das weiten, was Flüsse für uns sein können und welche Verantwortung wir für den Main haben.
Dr. Anne Schmitt, Geschäftsführerin Flussparadies Franken e. V. www.flussparadies-franken.de
Main von der Quelle bis zur Mündung mit den Spielstätten des 1. Flussfilmfests (14.-26.3.23) am Main | Bildnachweis: Netzwerkmain/Schilhan Werbung
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